Angst und Spannung zählen zu den stärksten emotionalen Wirkungen des Horrorkinos. Horrorfilme ermöglichen es dem Publikum, intensive Angsterfahrungen in einem sicheren Rahmen zu erleben. Gerade das Zusammenspiel aus Unsicherheit, Erwartung und gleichzeitiger Faszination macht das Genre besonders wirkungsvoll. Dennoch ist häufig nicht eindeutig nachvollziehbar, warum bestimmte Szenen eine starke Angstreaktion auslösen, während andere weniger effektiv sind. Dieses Praxisprojekt untersucht daher, wie Horrorfilme durch den gezielten Einsatz filmischer Mittel Angst und Spannung erzeugen und inwiefern sich diese Wirkmechanismen praktisch umsetzen lassen.
Die Arbeit verbindet theoretische Grundlagen mit Filmanalyse und eigener gestalterischer Praxis. Im theoretischen Teil werden psychologische Aspekte von Angst sowie zentrale filmische Gestaltungsmittel des Horrorgenres betrachtet. Darauf aufbauend wird ein Kriterienkatalog entwickelt, der die Wirkung visueller und auditiver Mittel systematisch erfasst. Dieser dient sowohl als Analyseinstrument für bestehende Filme als auch als Orientierung für die eigene praktische Umsetzung.
Im analytischen Teil werden exemplarisch Jaws (1975) von Steven Spielberg und The Blair Witch Project (1999) von Daniel Myrick und Eduardo Sánchez untersucht. Die beiden Filme repräsentieren unterschiedliche Strategien der Angsterzeugung. Jaws arbeitet mit einem klassischen Spannungsaufbau, bei dem die Bedrohung lange unsichtbar bleibt und durch musikalische Leitmotive sowie subjektive Kameraperspektiven angekündigt wird. Angst entsteht hier vor allem durch Erwartung und zeitliche Verzögerung. The Blair Witch Project hingegen verfolgt einen minimalistischen Ansatz. Durch subjektive Handkamera, Verzicht auf Filmmusik und das konsequente Offenlassen narrativer Auflösung wird Angst primär über Ungewissheit, Kontrollverlust und eingeschränkte Wahrnehmung erzeugt. Der Vergleich zeigt, dass Angst weniger durch explizite Darstellung entsteht als durch die bewusste Steuerung von Information und Wahrnehmung.
Der praktische Teil des Projekts überträgt diese Erkenntnisse in eigene filmische Kurzszenen. Eine Szene konzentriert sich auf „Bedrohung in der Dunkelheit“ und nutzt subjektive Kameraführung und stark reduzierte Lichtverhältnisse, um Angst durch Ungewissheit zu erzeugen. Eine zweite Szene setzt auf einen plötzlichen Schockmoment, der durch eine längere Phase visueller und akustischer Ruhe vorbereitet wird.
Insgesamt verdeutlicht die Arbeit, dass Angst im Horrorfilm nicht aus einzelnen Effekten resultiert, sondern aus dem Zusammenspiel filmischer Mittel. Erwartung, Ungewissheit, Nähe und Kontrollverlust erweisen sich als zentrale Mechanismen der Angsterzeugung. Der entwickelte Kriterienkatalog bietet dabei eine hilfreiche Grundlage für Analyse und Praxis und zeigt den Mehrwert einer reflektierten Verbindung von Theorie und gestalterischer Umsetzung.