Wie beeinflussen kulturelle Werte das Datenerhebungsverfahren? Eine vergleichende Analyse zwischen Deutschland und Südkorea.


Adonisa Gashi

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Präsentation
03. June 2026, 10:30 Uhr, Raum 3.216
Betreuer
Kooperationspartner
Th Köln
Stichworte
Datenerhebung, DSGVO/PIPA, Corona-Tracking-Systeme, Datenakzeptanz, Gesellschaft

Abstract

Daten spielen eine zentrale Rolle in Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft. Dabei variieren sowohl die Erhebung und Verarbeitung als auch der Umgang mit personenbezogenen Daten je nach kulturellem Kontext. Insbesondere kulturell geprägte Einstellungen zum Datenschutz wirken sich darauf aus, welche Verfahren der Datenerhebung eingesetzt werden und in welchem Maße diese gesellschaftlich akzeptiert sind. Dies zeigt sich beispielsweise deutlich am Umgang mit digitalen Contact-Tracing-Apps während der COVID-19-Pandemie.

Diese Arbeit untersucht den Einfluss kultureller Werte auf die Verfahren zur Datenerhebung. Die Forschungsfrage, die als Ausgangspunkt dient, lautet, in welchem Maße gesellschaftliche Wertvorstellungen und kulturelle Normen die Gestaltung, Umsetzung und Akzeptanz staatlicher Datenerhebung beeinflussen. Um diese Frage zu beantworten, werden Deutschland und Südkorea vergleichend untersucht. Beide Länder repräsentieren verschiedene kulturelle Cluster und mussten sich gleichzeitig ähnlichen Herausforderungen im Umgang mit digitalen Daten stellen.

Die Arbeit untersucht rechtliche, technische und kulturwissenschaftliche Perspektiven. Zusätzlich zu den datenschutzrechtlichen Grundlagen der DSGVO und des BDSG werden auch die südkoreanischen Bestimmungen zum Personal Information Protection Act (PIPA) und die Funktion der Personal Information Protection Commission (PIPC) untersucht. Kulturelle Modelle wie Hall (High-/Low-Context, Zeitverständnis) sowie das GLOBE-Projekt werden zusätzlich verwendet, um gesellschaftliche Unterschiede systematisch einzuordnen.

Zur genaueren Untersuchung wird eine Fallstudie zu Contact-Tracing-Apps während der COVID-19-Pandemie verwendet. Es erfolgt ein Vergleich der Corona-Warn-App in Deutschland und der Corona-100m-App in Südkorea. Die Untersuchung demonstriert, wie verschiedene Wertvorstellungen zu unterschiedlichen technischen Architekturen führten. Die Analyse zeigt, dass kulturelle Werte weniger darüber bestimmen, ob Daten gesammelt werden, sondern vielmehr darüber, wie dies geschieht. Der Einfluss von Vertrauen in staatliche Institutionen, Vorstellungen von Individualität und Kollektivität sowie unterschiedlichen Kommunikations und Zeitverständnissen auf technische Systeme, rechtliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Akzeptanz erfolgt indirekt.

Die Arbeit demonstriert, dass die Verfahren zur Datenerhebung nicht nur durch technische oder rechtliche Faktoren bestimmt sind, sondern immer im Zusammenhang mit kulturellen Einflüssen interpretiert werden müssen. Kulturelle Sensibilität ist daher ein wesentlicher Aspekt bei der Entwicklung und Bewertung digitaler Systeme im öffentlichen Raum.

Weiterführendes Material