Die Arbeit untersucht das bestehende System zur Live-Übertragung der Gottesdienste der Kirche für Oberberg e.V. in der Halle 32 und entwickelt darauf aufbauend einen präskriptiven Systemvorschlag. Ziel ist es, Technik, Abläufe und Rollen strukturiert zu erfassen, Schwachstellen sichtbar zu machen und ein zukunftsfähiges, ehrenamtstaugliches Soll-System zu entwerfen.
Methodisch folgt die Arbeit einem Fallstudien-Design mit gemischten Evidenzen in vier Phasen: Kontextbeschreibung, Ist-Systemanalyse, Anforderungsdefinition und Systemvorschlag. Grundlage sind Dokumentenanalyse (Inventarliste, Signalflussdiagramme, Kostenkalkulation), Beobachtungen im Regelbetrieb sowie qualitative Gespräche mit Kirchenleitung, Kameraoperatoren und dem externen Dienstleister Talentwerk, die als Gedächtnisprotokolle festgehalten werden.
In der Ist-Analyse werden zentrale Schwachstellen identifiziert, darunter veraltete Kernhardware, heterogene Kameras ohne zentrale CCU-Steuerung, Interlacing-Artefakte durch den 1080i50-Workflow, ein unzureichendes Intercom-Konzept für den Wireless-Operator, fehlendes Program-Recording und hohe Aufbaukomplexität bei externen Locations. Daraus werden priorisierte fachliche, funktionale und nicht-funktionale Anforderungen abgeleitet. Der Soll-Vorschlag sieht unter anderem einen Wechsel auf einen durchgängigen 1080p50-Standard, den Austausch der Führungskameras durch Blackmagic URSA Broadcast G2, einen modernen ATEM 2 M/E Constellation HD, eine Glasfaser-basierte Infrastruktur mit Rückwegen für CCU sowie ein einheitliches Wireless-Intercom-System vor. Die beschriebene Lösung basiert auf einer detaillierten Kostenkalkulation, wurde von Talentwerk und der Kirchenleitung fachlich geprüft. Die Lösung passt in das erweiterte Projektbudget und kann damit finanziert und umgesetzt werden.
Die wesentlichen Limitationen liegen in der Nutzung von Gedächtnisprotokollen statt Audioaufzeichnungen und in der Tatsache, dass das Soll-System zum Zeitpunkt der Arbeit nur konzeptionell vorliegt und im Livebetrieb noch nicht erprobt ist. Zudem entsteht eine starke Abhängigkeit von einem Hersteller-Ökosystem, was künftige Erweiterungen einschränken kann.
Evaluation des Soll-Systems im Livebetrieb
IP-basierte Produktionsinfrastruktur (NDI, SMPTE IP 2110)